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Europaweit ist eine Zunahme der Bedeutung privater Sicherheitsdienste im öffentlichen Raum zu verzeichnen. Immer häufiger wird damit auch Sicherheit und Schutz von Menschen in private Hände gelegt. Hegen Sicherheitskräfte ethnische oder auch religiöse Ressentiments gegenüber bestimmten Zielgruppen, kann es zu einer Ungleichverteilung von Schutz und Sicherheit, zu Diskriminierungen, Schikanen oder sogar zu Gewalt kommen. Jüngste Vorfälle in deutschen Asylbewerberheimen, in denen Asylbewerber/innen durch private Sicherheitskräfte schikaniert und gequält wurden, bilden hier einen traurigen Höhepunkt möglicher Ausschreitungen.

Dass es ohne Handlungsstrategie zu weiteren Vorfällen kommen wird, legt die Studie „Die Abwertung des Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Toleranz, Vorurteilen und Diskriminierung.“ der Friedrich-Ebert-Stiftung unter Leitung von Andreas Zick nahe. Die europaweite Studie belegt, dass Vorurteile, Intoleranz und antidemokratische Einstellungen in den europäischen Gesellschaften weit verbreitet sind. Dies betrifft die viel besagte „Mitte der Bevölkerung“ ebenso wie die noch stärker betroffenen bildungsfernen Milieus, aus denen sich das operative Personal privater Sicherheitsdienste überwiegend rekrutiert. Besorgt beschreibt die Studie insbesondere auch die starke Zunahme islamfeindlicher Einstellungen. Dies ist deswegen besonders brisant, da durch die steigende Arbeitskräftemobilität und die Konfliktherde im Nahen Osten, im Mittleren Osten, in Zentralasien und in Nordafrika eine Zunahme von Muslimen in europäischen Ländern zu verzeichnen ist. Eine offene und pluralismusfreundliche Einstellung des Personals bedarf aber einer gezielten Förderung. Die öffentliche Sicherheit - insbesondere die Bundeswehr, aber auch die Polizei – reagieren auf diesen Bedarf mit politischer Bildung und interkulturellen Trainings. Vergleichbare verbindliche Angebote gibt es im Bereich der privaten Sicherheitsdienstleistungen bislang nicht.Es ist folglich ein dringender Handlungsbedarf mit den Ziel der Radikalisierungsprävention oder gar –intervention gegeben.

Die Radikalisierungsprävention soll im Projekt durch die Entwicklung von Bildungsmodulen für die Aus- und Fortbildung von privatem Sicherheitspersonal gewährleistet werden. Zudem sollen Auftraggeber von Sicherheitsdienstleistungen künftig die Möglichkeit erhalten, durch ein Qualitätssiegel für Institutionen die Geeignetheit des Sicherheitspersonals im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund beurteilen zu können. Schulungen zur Radikalisierungsprävention sind dabei vorgesehen für das operativ arbeitende Personal. Schwerpunkte bilden hier die Arbeit an und die Reflexion über Vorurteile sowie die Stärkung von interkultureller Kompetenz und Ambiguitätstoleranz. Als Garanten einer passgenauen Konzeption der Bildungsmodule sollen dieser Erhebungen bei den ca. 300 Beschäftigten der ca. 8 Unternehmen privater Sicherheitsdienste in den 6 Partnerländern vorausgehen.

Die Ergebnisse der Befragungen sollen ausgewertet und zur Grundlage der Entwicklung der Bildungsmodule verarbeitet und mit den Belegschaften der Unternehmen getestet werden. Innovativ ist dieser basisorientierte Ansatz, der durch die beständige Sicht auf betriebliche Realitäten, die verschiedenen Aus- und Weiterbildungsstandards in den europäischen Ländern eine breite Behebung tatsächlicher Defizite und Ressentiments des Personals gewährleistet. Für jedes Partnerland wird es zwei Probeschulungsdurchläufe geben, in denen insg. etwa 60 Personen länderübergreifend geschult werden. Selbstverständlich sind auch die jeweiligen Führungskräfte und Unternehmensleitungen, Lehrkräfte der Aus- und Weiterbildungseinrichtungen der beruflichen Bildung beteiligt an der Entwicklung der Bildungsmodule.In der Kombination von regionalen Workshops, die vor Ort die Ergebnisse aus den Erhebungen und Schulungen des Personals mit Unternehmen und Partnern rückbinden und den transnationalen Workshops aller Partner mit den entsprechenden wissenschaftlichen Expertisen und Evaluationen, können im Ergebnis passgenaue Schulungsmaßnahmen entstehen, die EU-weit trotz aller noch differierenden Aus- und Weiterbildungsstandards, eingesetzt werden.

Ein Projektbeirat, der die Produktentwicklung begleitet und durch seine Besetzung aus Vertretern der Arbeitgeberdachverbände dieser Branche und den entsprechenden Interessenvertretungen/Gewerkschaften eine höchst mögliche Streuung der Projektergebnisse in die Branche garantiert, soll schließlich die Einführung eines Qualitätssiegels für die neuen EU-weiten Bildungsmodule in Aus- und Weiterbildung vorbereiten und den europäischen Dachverbänden der Branche, CoESS und UNI-Europe, zu einer verbindlichen Verabschiedung vorlegen.

 


 

 

English


All over Europe we have an increase in the importance of private security services in the public space. Hence, security and protection of people is more and more placed in private sector. If security forces have ethnic or religious resentments of certain target groups, we might have the result to have an unequal distribution of protection and security, discrimination, harassment or even violence.A sad highlight of possible riots was the torture of asylum-seekers by private security forces in German asylum homes.

The study “Die Abwertung des Anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Toleranz, Vorurteilen und Diskriminierung.“ written by the Friedrich-Ebert-Stiftung headed by Andreas Zick makes clear that there will probably further incidents without a fundamental action strategy.The study also shows that prejudices, intolerance and nondemocratic settings are widespread all over European societies.This applies to the lot said 'middle of the population" as well as the even more concerned educationally deprived milieus from which the operational staff of private security services is mainly recruited. Concerned, the study describes in particular the proliferation of Islam enemy settings. This outcome is particularly political charged because of the increasing labour mobility and conflicts in Near and Middle East, Central Asia and North Africa and in this way the increase of the number of Muslims in European countries.An open-minded attitude and an affirmation to pluralism of the staff is needed by advancement and trainings.

Public safety - in particular the German armed forces, but also the police - respond to these needs with civic and intercultural training. There are no comparable binding offers in the field of private security services so far.In conclusion, there is an urgent need for actions with the aim of preventing radicalization or even actions to make an intervention possible.The prevention of radicalization is to ensure by the development of training concepts for the education and training of private security staff. On top the project has to develop a seal of quality that empowers customers to assess the suitability of security staff in dealing with people with a migration background. Further customers of security services must have the possibility to assess the quality of institutions and the suitability of security staff in dealing with people with migration background.

Training courses on the prevention of radicalization are intended for the operative working staff. The focus is on the work of and reflection on prejudice, as well as the strengthening of intercultural competence and ambiguity tolerance. To guarantee a precisely fitting conception of education modules the development of the curricula precedes a survey of about 300 employees from about eight companies in private security sector from five partner countries.The results of the surveys will be evaluated and processed. They form the basis of the development of the training modules and will be tested with the workforce of the companies. The innovative essence of this project is the base-oriented approach, which ensures a broad remedy of actual deficits and resentment of the staff through the consistent view of operational realities, the various education and training standards in European countries. For each partner country, there will be two trial trainings.

About 60 people will be internationally trained. Of course, the respective senior executives and management as far as teachers for training and further and vocational education are involved in the development of the training modules.The combination of regional workshops and the experience and results of evaluation and training the companies and the employees made on the one hand and the transnational workshops include scientific monitoring on the other hand allows us to design precisely fitting trainings and standards not matter what difference the countries have in their education and training.A project Advisory Board, accompanying the development of the product and consisting of representatives of the employer Confederation of this industry and the corresponding associations/unions guarantees a maximum dispersion of project results in the industry to eventually develop the introduction of a quality seal for the new education modules in education and training throughout the EU and prepare a binding decision on it by with the European roof organizations, CoESS and UNI-Europe.

 

Autorin/Author: Dr. Christina Hermann

 

 

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben."

English:

The European Commission support for the production of this publication does not constitute an endorsement of the contents which reflects the views only of the authors, and the Commission cannot be held responsible for any use which may be made of the information contained therein.

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